Glücksgefühle im Karpfenland

Am Wochenende des 6. und 7. Oktober 2012 fand die deutsche Meisterschaft im Foxoring in der Nähe von Höchstadt im Aischgrund statt. Die Gegend ist für ihre vielen Karpfenteiche und den guten Karpfen bekannt. Erstmals wurde an diese Wocheende auch die deutsche Meisterschaft im Sprint-Wettbewerb ausgetragen, den es seit etwa einem Jahr gibt. Mit dabei war wieder Frank, DL6DBN, vom Siegerländer ARDF-Team, der nachfolgend berichtet…

„Das Wochenende stand eigentlich unter keinem so guten Stern. Eine Woche vor dem Wettkampf hatte ich mir bei der Gartenarbeit das Knie etwas lädiert, und reichlich erkältet war ich auch. Dennoch bin ich am Samstag um halb sieben Uhr morgens aufgebrochen, hatte ich doch vor, auch noch Verwandtschaft in der Nähe von Höchstadt am Abend zu besuchen. Kurz vor Würzburg hat mich der Verkehrsfunkhinweis auf den vor mir liegenden Stau erst nach der entscheidenden Ausfahrt erreicht. Also bin ich an den 10 km langen Stau (ein LKW war umgekippt) herangefahren und musste 45 min warten, bis ich zur Umleitung an der nächsten Ausfahrt kam. Über Land und die ebenfalls überfüllte Umleitung ging es dann zügiger weiter, aber am Ende kam ich trotz bei der Abfahrt eingeplantem Staupuffer mit über einer Stunde Verspätung an. Auf den letzten Drücker, nur eine Minute vor dem Aufruf meiner Gruppe stand ich am Start. Dabei musste ich mir als Nachzügler den Start auch noch akustisch über den schon vorher laufenden Startpiepser im Wald suchen.

Karte zum 2. Lauf der 2012er-Foxoring-DM
Karte zum 2. Lauf der 2012er-Foxoring-DM

Karte aufnehmen und los. 18 Sender warteten auf mich. Das Gelände war im Vergleich zu siegerländer Verhälnissen flach, hatte aber orientierungsmäßig richtig viel zu bieten. Der weitgehend offene Kiefern/Laub-Mischwald hatte viele Schneisen und weite Strecken abseits der wenigen Wirtschaftswege im Programm. Hier waren gute Orientierung und eine sorgsame Planung der Absprung- und Auffangpunkte an markanten Geländepositionen gefragt. Nach einer weitläufigen Schleife mit den ersten sieben Sendern reichte am Ende die Puste leider nicht mehr, um alle Sender in dem dichter bestückten Teil des Parcours anzulaufen. Schließlich gilt als oberstes Ziel, immer innerhalb der vorgeschriebenen Wettkampfzeit (diesmal 90 Minuten) wieder am Ziel zu sein, um nicht aus der Wertung fallen. Mit 76 Minuten lief es auf dem Weg zum Ziel doch so gut, dass ich noch ein oder zwei weitere Posten hätte anlaufen können. So blieb es bei fünf ausgelassenen Sendern. An meinem 6. Platz hätte es jedoch nichts geändert, hatten alle vor mir doch deutlich mehr Sender gefunden. Das gesetzte Ziel, nicht als letzter meiner Altersgruppe M40 einzulaufen, habe ich an diesem Tag erreicht, schließlich konnte ich zwei weitere Teilnehmer hinter mir lassen. Damit war ich glücklich und sehr zufrieden, zumal auch der Wald und das Wetter ihr Bestes gaben.

Gerade einmal eine gute halbe Stunde im Ziel stand im Anschluss eine Premiere für mich auf dem Programm: Der Sprint. Diese Wettkampfart wird im Amateurfunkpeilen erst seit diesem Jahr auf Meisterschaften offiziell ausgetragen. Um es gleich vorweg zu sagen: Es ist eine echte Bereicherung. Ich war gespannt, wie es ablaufen wird. Zweimal 5 Sender auf 80 m, ein Zwischenziel und die Zielbake auf vier verschiedenen Frequenzen waren anzulaufen, ein Zeitlimit gab es angesichts der vielen Neulinge glücklicherweise nicht. Das besonders Herausfordernde war die kurze Sendezeit von nur 12 Sekunden für jeden der jeweils fünf Sender. Im Minutenrythmus wurden alle Läufer einzeln gestartet. Irgendwann war auch ich dran. 3-2-1 und los, Karte aufnehmen, orientieren und lospeilen (3,52 MHz), da war die erste Minute mit einem kompletten Senderdurchlauf schon vorbei. Glücklicherweise ging es bergauf, sodass ich schnaufend noch einen Durchlauf hören konnte, um mir über die Reihenfolge im Klaren zu werden. 1-3-5-4-2, so stellte sich mir die erste Runde dar. Vielleicht wären 1-4-3-5-2 oder 4-1-3-5-2 taktisch klüger gewesen, aber die Feinheiten der Entfernungbestimmungen hatte ich in diesem ersten Sprint noch nicht raus. Hierzu muss man wissen, dass die Sprintsender mit einer anderen Strahlungsleistung arbeiten sollen als normale Peilsender.

Das Zwischenziel auf 3,54 MHz war auf der Karte eingezeichnet. Damit bekam ich zwischendrin mal wieder einen Anhaltspunkt, wo ich auf der Karte war. Denn der Kartenkontakt ist mir in der Hektit zwischen Sender 5 und 4 verloren gegangen. Auf dem Weg zum Zwischenziel hatte ich schon einmal einen Durchgang der nächsten Runde (3,56 MHz) abgehört und wusste grob, dass ich auch jenseits der Karpfenteiche mindestens einen Sender suchen müsste. Nach dem Stempeln des Zwischenziels ging es also direkt über die Teiche zur 5, die auch schnell gefunden war. Dann vermutete ich den Sender 2 aber in Zielnähe wieder auf der anderen Teichseite und lief zurück um auf dem Weg dorthin 4-3-1 zu holen. Und dabei hat mich der Sender 1 überrumpelt. Er war im Gegensatz zu 4 und 3 so laut, dass ich ihn in der Nähe vermutete und rannte darauf los. In meinem Eifer lief ich glatt an 4 und 3 vorbei, musste dann nach der 1 zurück und auch noch auf die andere Teichseite, um den 2er, der dort doch lag, zu holen. Das Ende machte dann ein Anstieg zur Zielbake (3,60 MHz), die ich durch meine Umwege von der falschen Seite anlaufen musste.

5-2-4-3-1, das wäre die richtige Reihenfolge gewesen. Durch meinen Zickzack habe ich mit Sicherheit die 8 Minuten auf den 4. Platz verloren und bin so immerhin noch fünfter von sechs Teilnehmern meiner Alterklasse geworden. Aber als Fazit bleibt, dass der Sprint echt klasse ist. Er erfordert Schnelligkeit, sowohl in den Beinen als auch im Kopf. Blitzschnell muss entschieden werden, welche Reihenfolge, wo entlang laufen und den Kontakt zur Karte halten, um nicht plötzlich vor einem undurchdringlichen Dickicht zu stehen. Das ist Herausforderung pur und versetzt einem einen echten Adrenalin- und Endorphinschub. Ausgepowert und glücklich.

Ein gebackener Karpfen aus dem Frankenland
Ein gebackener Karpfen aus dem Frankenland

Den Abend nutzte ich dann zum Besuch meiner Verwandtschaft, bei der ich auch übernachten konnte, und zum Karpfen essen – lecker. Da hatte ich mich schon sehr lange drauf gefreut. Das war ein Abend, der zeigte, dass auch Familie, die man über Jahre nicht sehen konnte, ein Stück soziale Heimat ist.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder ins Wettkampfgebiet zurück, und es regnete und regnete, und statt 17 °C wie am Vortag waren es nur 10 °C und windig dazu. So richtig ungemütlich wurde es durch das lange Warten, bis die Veranstalter, die auch mit dem Wetter zu kämpfen hatten, alles startbereit hatten. Mit 45 zusätzlichen Warteminuten ging es dann endlich los. Wieder standen in der Klasse M40 alle 18 Senderstandorte auf dem Programm. Nach den Erfahrung vom Vortag war mir klar, dass es auch diesmal konditionell nach einer Erkältungswoche nicht für alle Sender in 90 Minuten reichen würde. Nach einem Blick auf die Karte und einer groben Routenplanung war schon auf dem Weg zum ersten Posten klar, dass ich zwei Posten rechts im Wald liegen lassen würde. Die Taktik ging am Ende auf. Mit etwas über 80 Minuten und den restlichen 16 Posten als gefunden markiert erreichte ich das Ziel. Zusammen mit der Samstagswertung konnte ich den 6. Platz in der Foxoring-Gesamtwertung halten. Orientierungsmäßig war die Route noch ein bisschen ansprechender als beim 1. Lauf. Mit der Ankunft im Ziel riss der Himmel endgültig auf, und das Umziehen konnte trocken erfolgen. Siegerehrung, Bekanntgabe der Peilmeister 2012 (zu denen ich nicht gehöre) und Heimfahrt waren dann entspannt und unspektakulär.

So ging ein im positiven Sinne anstrengendes Wochenende mit einem satten Glücksgefühl zu Ende: Amateurfunkpeilen macht Spaß! Aber auch die diesjährige Peilsaison ist damit so gut wie zu Ende. Das nächste Jahr wird für mich persönlich spannend werden, starte ich doch erstmals in der nächsten Altersklasse M50. Neue und starke Konkurrenten sowie in den Wettkämpfen ein paar Sender weniger warten auf mich.“

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